Dienstag, 27. oktober 2009 2 27 /10 /2009 20:16
Hier ist ja so ziemlich alles ein wenig anders als bei uns in Deutschland, deshalb will ich euch heute mal den Alltag in den Kindergärten, in denen wir Englischunterricht machen, beschreiben. Wir sind immer abwechselnd in drei verschieden Kindergärten, die sich jedoch in ihrer Struktur sehr ähnlich sind, eingesetzt. Anfangs haben wir uns gedacht, dass so ein wenig Unterricht ja bestimmt nicht so schwer sein kann, doch der ganz gewöhnliche Kindergartenalltag und die äußeren Umstände belehrten uns schnell eines Besseren.
Die Kindergärten sind in den ärmsten Viertel hier in Lambayeque, die Eltern schicken meist ihrer Kinder nur in den Kindergarten, weil es dort zwei kostenlose Mahlzeiten für die Kinder gibt. Die Erzieherinnen werden unheimlich schlecht bezahlt, es fehlt an Motivation und es gibt nur begrenzte Möglichkeiten richtig mit den Kindern zu arbeiten. Die Hauptarbeit der Erzieher liegt darin den Kindern, man bedenke, die Kinder sind gerade mal drei, vier und fünf Jahre, Buchstaben und Zahlen beizubringen. Dinge wie einfach nur spielen, bastel und malen, sind kaum möglich, weil schlicht ein Mangel an Material besteht.
Nachdem die Kinder ein Brötchen und einen Hafersaft bekommen haben, müssen sie erstmal sitzen und warten bis auch das letzte Kind fertig ist. Danach wir gebetet und ein Lied gesungen. Dann beginnt der „Unterricht“, da erklärt die Lehrerin Gegenstände, wie Kommunkikationsmittel, Obstsorten und ähnliches. Nach einer Stunde nehmen dann die Kinder ihrer mitgebrachte Zwischenmahlzeit ein. Viele Kinder bekommen jedoch nichts von zuhause mit und müssen dann warten, bis die Kinder, die was dabei hatten fertig sind. Danach wird dann bis ca. zwölf Uhr ein Puzzel gemacht oder die Kinder sitzen an ihren Tischen und reden, die Größeren malen dann oft in ihren Heften vorgemalte Buchstaben und Zahlen nach, die kleinen sitzen und warten oder streiten sich um ein mitgebrachtes Spielzeug. Werden die Kinder zu laut wird einmal kurz ein Lied gesungen. Ab zwölf bis ca. halb eins sitzen die Kinder dann, nachdem sie sich ihre Fingerchen gewaschen haben, auf den Stühlen und bekommen die Haare gebürstet, ist das erledigt gibt es Essen. Die Kinder die zu langsam sind, werden dann auf den Küchentisch gesetzt und wie am Fließband gefüttert. Alle Kinder müssen den Teller bis auf den letzten Krümel leeren, auch wenn sie schon lange überhaupt keinen Hunger mehr haben, da ja auch erst vor kurzer Zeit gefrühstuckt und die Zwischenmahlzeit eingenommen worden ist, kann man den wenigen Hunger der Kinder zu dieser Uhrzet sehr gut verstehen, aber daran kann nichts geändert werden, da um eins die Eltern die Kinder wieder zurück haben wollen.
Wir machen unseren Unterricht immer ab neun Uhr morgens bis zwölf und da wir ja in drei Kindergärten gehen, können wir auch nicht jeden Tag im gleichen Kindergarten sein. Nachdem wir festgestellt haben, dass die Kinder ja noch nicht schreiben, dafür aber hervorragend nachsprechen können, haben wir unseren Unterricht diesen Umständen angepasst und beschränken uns auf das Einüben von Begriffen, mit denen die Kinder im Alltag zutun haben. Mit unseren ersten „Arbeitsblättern“ auf denen die Kinder die Begriffe ausmalen sollten, haben wir dann gemerkt, dass das Ausmalen in den Kindern ein riesige Freude weckt. Die Kinder sind dann kaum zu bremsen und auch das „freie“ Malen auf Papier kommt unglaublich gut an, die Kinder haben viele Ideen und sind mit Leib und Seele dabei, wenn sie ihre Zeichnung zu Papier bringen dürfen. Das Schwere an der ganzen Sache ist, dass die Mäppchen der Kinder oft nur einen Stift enthalten und die Kindergärten nur ganz ganz wenig alte Stifte zur Verfügung haben, dass bedeutet das es oft zu Streit um die wenigen Farbstifte kommt und man zwei Tage Erholung braucht wenn man versucht die Bundstifte immer gerecht unter den Kindern zu verteilen, weil wenn die Kinder mal so richtig in Fahrt gekommen sind, sind sie kaum zu stoppen und umringen einen in Scharen in der Hoffnug mal eine andere Farbe abzubekommen, damit das Bild auch schön bund werden kann.
Wir versuchen auch immer neue Sachen mit den Kindern zu machen, auch das ausschneiden und kleben bereitet riesen Freude. Ausserdem haben wir letzte Woche versucht Seifenblasen mit den Kindern zu machen, dafür hatten wir im Vorfeld viele dieser „Ringe“ gebastelt und versucht die richtige Mischung für das Wasser herzustellen. Leider war es sehr schwer das richtige Seifenwasser zu machen und auch von dem Tag gibt es leider keine Fotos, da wir zu dritt (mit Sandra, einer weiteren Deuschen) versucht haben den Kindern zu zeigen wie man die Blasen macht, dass man nacheinander die Ringe in das Wasser tauchen muss, damit man den anderen nicht die Blase kaputt macht. Die Kinder waren jedoch so aufgebracht, dass alles im Chaos versunken ist. Einige haben sich die Töpfe mit dem Wasser geklaut und sind damit weggerannt, andere haben sich garnicht für die Blasen interessiert und lieber in den umliegenden Müllhaufen gewühlt. Die Situation war sehr schwer für uns und chaotisch, da war keine Zeit für Fotos und wir mussten auch relativ früh wieder zurück in den Kindergarten. Die Erzieherin wollte leider nicht mitkommen und uns helfen, na ja vielleicht das nächste Mal.
So nun habt ihr hoffendlich einen kleinen Eindruck. Da die Situation aus unsere Sicht für die Kinder sehr schwer ist, haben wir uns mit den anderen Mädels aus Deutschland, die hier ein Praktikum machen entschlossen einen „Spendenblog“ ins Leben zu rufen. Da könnt ihr mal drauf und lesen was wir so alles machen wollen. Wir wären froh um ein wenig Hilfe...http://spendenblog.over-blog.de
von esperanza
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