Sonntag, 18. oktober 2009 7 18 /10 /2009 22:22

In Peru fahren Busse, die in Deutschland wohl vor 20 Jahren schon nicht mehr über den TÜV gekommen wären. Das haben wir letztens auch mal ganz am eigenen Leib feststellen dürfen; mein Rücken hat sich inzwischen wieder erholt, also kann ich auch nun den Bericht schreiben. Gut ich gebe zu, das hat wohl weniger was mit meinem Rücken, als viel mehr mit unglaublicher Faulheit zu tun, aber jetzt schreib ich ja, das sollte das einzige sein was zählt.

Mit der „Beneficencia“ sind wir ja ab und zu mal an verschieden Schulen unterwegs, das hab ich auch schonmal geschrieben. Da geht es dann um medizinische Untersuchungen. So auch vor einer Woche Mittwoch, um 8 Uhr stand der Bus vor dem Gebäude der Beneficencia bereit, vollgepackt mit vier Ärzten, einer Apothekerin und den dazugehörigen Medikamenten, fünf Friseurinnen (ist das jetzt korrekt?), vier anderen Helfern und Markus und mir und viel viel Reis. Ziel war die Schule von Chochope, eine kleines Dörfchen mitten im nirgendwo.

Sobald man Lambayeque über die Panamericana verlässt, stößt man auf eine Mautstelle, an der auch meistens ein paar Polizisten fröhlich ihre Kontrollen durchziehen. Diese Tatsache erfordert gerade dann Spontanität und fahrerisches Können, wenn man keine neue „Revision tecnica“ (technische Untersuchung fürs Fahrzeug) vorweisen kann und/oder die 100 Soles (40 €) für das zugedrückte Auge des Polizistes nicht zahlen will/kann. Unser Busfahrer, war glücklicher Weise mit ausreichendem fahrerischem Können besegnet. Kurz vor der Mautstelle fuhr er ins Feld hinein um die Mautstelle großräumig zu umfahren, so stellte es sich dann heraus. Anfangs hatte der ganze Bus sich noch darüber halb schlapp gelacht, dass der Busfahrer sich die 100 Soles sparen wolle; das Lachen ebbte dann jedoch schnell ab, als man bemerkte, das der Feldweg nur knapp 1,50 m breit und mit riesigen Schaglöchern durchzogen war. Mit jedem Schlagloch mehr, wurde der Riss, der sich im Boden des Busses befand scheinbar größer und die Frontscheide wackelte immer mehr in die entgegengesetzte Richtung wie der restliche Bus.

Totenstill wurds dann aber in dem Moment, in der wir an einer „Brücke“ hielten. Die Brücke war nur ein wenig aufgeschütteter Sand und nur so breit, dass gerade mal ein Auto darüber fahren könnte. Keiner wollte glauben, dass der Busfahrer nun mit uns dadrüber wollte, als der jedoch den Rückwärtsgang reingehauen hatte, um gerade auf die Brücke zusteuern zu können, wurde es Ernst und ich sah uns schon, samt Bus in dem kleinen Flüsslein unter uns, schwimmen. Es ging aber gut, lautes Aufatmen und der restliche Feldweg schien nun wie ein Klacks, ich glaube insgeheim hoffte jeder, dass sich nicht noch einmal so eine Brücke uns in den Weg stellen würde, aber schon bald erreichten wir die Panamericana – sicher, mit Bus in einem Stück und ohne Polizeikontrolle - bis es dann plötzlich wieder in einen Feldweg ging. Jedoch war das diesmal der Weg nach Chochope, was sogar ausgeschildert war und mich traf fast der Schlag, als ich gelesen hatte „Chochope 9 km“. Aber so war es dann, 9 km Feldweg ins Landesinnere. Herzlichen Glückwunsch! Das der Bus das geschafft hat und dann nochmal zurück grenzt echt an ein Wunder, aber so ist das hier die Fahrzeuge werden eben gefahren bis sie wirklich auseinanderfallen, sagt ja auch keiner was, sondern kostet nur 100 Soles Trinkgeld für den Polizisten.

Der weiter Tag in Chochope verlief dann mehr oder weniger chaotisch. Während ich mit der Apothekerin die Medikamente ausgegeben hab, was nervlich ganz schön an die Substanz ging, weil die Leute sich in der Schlange fast prügeltend, in der Angst keine Medizin mehr abzubekommen, hatte Markus sich mit der Ortsvorsteherin auf den Weg gemacht das idyllische Chochope zu erkunden. Es ist einfach fast unvorstellbar, das Mitten im nirgendwo ein richtiges kleines Örtchen mit funktionierender Infrastruktur und ca. 1000 Einwohnern existiert. Später haben wir mal bei Google nachgeschaut, ob was über den Ort im Internet steh, aber noch nicht mal da steht was. Das ist wirklich klasse, wir kommen hier in Ecken, um die kein Reiseführer weiß;-)


Ja und so chaotisch wie es in Chochope war, so chaotisch war auch gestern der „Marsch“ wegen des Welternährungstag. Ich hab den Sinn des Marsches, wie es hier genannt wird erst nicht ganz verstanden, aber übersetzt man das Wort “Marsch” in “Demonstration” dann kann man sich schon viel einfacher vorstellen um was es da ging. Eine Militärkapelle hat den ganzen Marsch begleitet und die Kids mussten bunte Luftballons und Schilder mit Nahrungsmittelabbildungen drauf in die Luft halten. Das es chaotisch war, lag daran, dass die Kids die es einfach nicht schaffen in einer Reihe zu laufen. So waren wir und die anderen Freiwilligen aus Deutschland den ganzen Marsch damit beschäftigt die Kinder die ständig aus der Reihe liefen einzusammeln...ich sag nur Sisyfus!Aber es war auch nicht leicht für die armen Kinder, in der heissen Sonne, knapp 2 km marschieren und dabei noch ein komisches Schild hochhalten, wo die meisten wohl noch nicht mal verstehen was Welternährungstag überhaupt bedeutet. Jedenfalls waren wir am Ende des Tages mehr rot als alles andere, die Sonne brennt hier halt schon morgens um 9 Uhr...aber trotzdem wir freuen uns auf den kommenden Sommer!

von esperanza
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