Montag, 21. september 2009 1 21 /09 /2009 02:58

Das hier in Peru Meerschweinchen als besonders gesund und delikatös gelten dürfte ja jetzt allseits bekannt sein. Aber so richtig viel hab ich ja noch nicht über Peru geschrieben, da es für uns ja im wesentlichen um den Aspekt der Arbeit hier im Lande geht war es mir eben wichtiger euch darüber vorab ausführlich zu informieren (siehe letzter Bericht) und vielleicht ist auch gerade diese Tatsache – das wir arbeiten – ja der Grund warum ich es einfach noch nicht geschafft habe mal was über Peru zu schreiben und ausserdem braucht man ja immer bisschen Zeit sich ein Bild zu machen, das wiederrum hab ich jetzt, wenn auch nur ansatzweise, aber es reicht wohl um nun mal loszulegen. Also da man ja immer gerne ein Land anhand der Essgewohnheiten definiert find auch ich hier den einfachsten Anfang. Peru ist ein Reisland, ich weiß ja nicht wie das in China ist, aber ich denke, zumindestens der Norden Perus kann mit China ganz gut Schritt halten. Ein kg Reis kostet hier umgerechnet gerade mal 0,25 Cent. Es gibt Reis zu jeder Mahlzeite und in den verschiedensten Variationen. Die Panamericana, die von Lambayeque nach Chiclayo, führt ist gesäumt von Mühlen – die darf man sich aber nicht als idyllische kleine Mühle, wohl eher als riesen Fabrik mit noch größerem Gemäuer drumrum vorstellen - und Feldern wo der Reis getrocknet wird. Fährt man hier abends entlang, kann man beobachten, wie einige ältere Damen mit Sieben den Sand vor den Mühlen auf übrigebliebene Reiskörner durchsuchen – aus dieser Tatsache lässt sich einmal mehr schließen, wie arm die Menschen hier sind, was sind für uns denn schon 0,25 Cent für ein Kg Reis?!

Wo ich gerade die Panamericana erwähnt hab, da wohnen wir übrigens - quasi auf der Panamericana - drittes Haus auf der linken Seite von Chiclayo kommend, willige Besucher können uns also garnicht verfehlen. Diese riesen Strasse führt auch durch unsere kleines Lambayeque, was besonders Nachts kaum zu überhören ist, scheinbar tausende schwerlastige Transporter donnern hier Tag und Nacht durch die Hauptstrasse, was sie meiner Ansicht nach auch ein wenig gefährlich macht.

Neben den LKWs sieht man dann, in Chiclayo wie auch in Lambayeque, hunderte von Taxis, diese Taxis sind kleine, gelbe „Streichholzschächtelchen“ diese Beschreibung hab ich bewusst gewählt, weil sich wohl jeder darauf ein Bild machen kann, wie mini diese Autos sind. Neben diesen Taxis gibs dann noch die „Motos“, das sind quasi Motorräder mit abgeschnittenem Hintern, der dann eine überdachte Sitzbank angeschraub bekommen hat. Taxis wie Motos und die wenigen Privatautos folgen scheinbar in keinster Weise eine Verkehrsordnung, hier gilt das Prinzip, wer als erster hupt und vermeindlich stärker ist hat Vorfahrt – so einfach ist das. Nein...Unfälle haben wir noch keine beobachtet. Mir werden jedoch immer die Knien ganz zittrig, wenn ein Motoradfahrer inkl. Sozi ohne Helm an uns vorbeirast, sowas nenn ich Lebensmüde oder einfach nicht aufgekärt, dass ein Helm im Ernstfall böse Kopfverletztungen verhindern könnte. Ausserdem darf man sich hier nicht der Illusion hingeben, der durchschnittliche Peruaner würde sich an Vorschriften für die ordnungsgemäße Beladung seines PKWs bezüglich Personen oder andere Ladung machen. Hier wird der Devise gefolgt: je voller desto besser. Die gilt im Besonderen auch für die hübschen kleinen VW-Busse die in alle kleinen umliegenden Orte fahren, zugelassene Sitzplätze unsere Rechnung nach 15, tatsächliche Sitzplätze variieren jedoch zwischen meist 20 bis 25, ist aber ein Spaß wert, vorallem wenn der Riese Maggi neben einem sitzt und versucht die Fahrt heil zu überstehen, die Sitze sind nämlich ausschließlich nur für Menschen meiner Größe gedacht, also der Größe des durchschnitts Peruaner.

Die Häuser hier sind auch erwähnenswert, die meisten egal ob klein, groß, von reicheren oder ärmeren Besitzern, so aussehen, also ob man sie vergessen hätte fertig zu bauen. Bei nämlich fast allen ist das letzte Stockwerk nur Gemäuer ohne Decke, dafür jedoch mit ausreichend Schnur versehen um die Wäsche zu trocknen. Ausserdem wird grundsätzlich nur die Front des Hauses mit Fenstern bedacht, verputzt und gestrichen, beim Rest hofft man wohl einfach auf ein weiteres Haus, welches direkt nebendran gebaut werden soll, wie gesagt man hofft. Wie die meisten Häuser, so sind auch die meisten Strassen unfertig bzw. einfach nur eine kleine und extrem hubbelige Sandpiste, was einem wiederrum zum Verhängnis wird, wenn man gerade gegessen hat und beschließt mit einem ungefederten Moto durch die Stadt zu fahren. Asphaltiert sind hier nur die Panamericana und große, vielbefahrene Strassen in der Stadt. Ausserdem sind die Strassen und die gesamte Umgebung Chiclayos für jeden akiven Greenpeace-Anhänger wohl ein Bild des Grauens. Das Wort „Umweltschutz“ wird hier gekonnt ignoriert, dafür lassen sich die Müllberge und achtlos weggeworfenen Sachen in keinsterweise ignorieren. Wo man hinschaut findet man Müll, besonders bevorzugt wird für die Müllabladung die vielen Flüsse und der Rand der Panamericana, dazu kommt, dass der Müll meist noch angezündet wird, wo man dann angesichts der Menge an brennenden Müllbergen auch noch ne ordentliche Luftverschmutzung hat.

Na ja aber unfertige Häusere, chotischer Verkehr und brennende Müllberge sind schnell vergessen, wenn man in Kontak mit diesem herzensguten Völkchen tritt, dazu aber in Teil 2 mehr, ich will ja eure Aufmerksamkeit nicht überstrapazieren;-)

Apropos „überstrapaziert“ wurde unsere Gästebuch auch schon lange nicht mehr!

Saludos

von esperanza
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